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Donnerstag, 11. Dezember 2008

Esta Semana

Hui. So schnell vergeht die Woche, wenn man viel zu tun hat und durch die Gegend reist. Mit Hermann vor Ort kommt auch noch die Arbeit von Pro REGENWALD zusätzlich hierher und ich muss seine Deadlines retten. So habe ich jetzt gelernt, wie schwierig es manchmal sein kann Sachen fehlerfrei und kompatibel in die Druckerei zu schicken. Die Zeitverschiebung macht das Ganze auch nicht besser.Nebenbei lerne ich auch immer besser die einheimische Esskultur kennen und da gerade Weihnachtszeit ist, gibt es hier die typischen Tamales, welche in verschiedensten Variationen serviert werden. Gemeinsam ist jedoch allen, dass sie in Bananenblättern gekocht werden. Was in Zeiten ohne Kühlschränken der Konservierung diente, schmeckt heute auch noch gut. Vor allem die abwechslungsreichen Zutaten von Kapern bis Rosinen tragen zu dem rustikal-fruchtigen Geschmack bei. Annabelle hat sie auch gleich in rauen Mengen zubereitet, weshalb ich noch eine Weile davon schlemmen kann. Bevorzugt mit etwas selbstgemachter Chilisauce von Miguel.

Netterweise kommt auch ohne ein direktes Leben im Regenwald die Natur zu einem. Im Garten des Hauses konnte ich letztens einen Glasfrosch beobachten, der seinen Namen seiner oftmals fast durchsichtigen Bauchseite verdankt. Es war sehr putzig wie der Kleine mit seinen Klebefingern die Bäume erklomm und sich mit seinen ellenlangen Beinen von Blatt zu Blatt katapultierte. Nach seiner Fotosession haben wir ihn aber wieder an einen feuchten schattigen Ort gebracht, denn das direkte Sonnenlicht ist für die Grünhäuter eine austrocknende Gefahr.

Gestern waren wir noch an der Pazifikküste bei Milo auf seiner Finca zu Besuch, um uns zum ungeliebten Thema SIEPAC zu koordinieren. Auf der Terrasse hatten wir dann starken Kaffee und frischen Bananenkuchen von seiner lieben Frau. Neben der Diskussion zeigte er uns noch seine Ländereien, die er nach Art des biodiversen Analogwaldes gestaltet. Es wachsen also unterschiedlichste einheimische Arten neben diversen Nutzpflanzen wie aromatischer Vanillie bis Patchouli, diesem bekannten "Gruftie"-Duft. Milo stellt aus seinen vielen Pflanzen intensiv duftende Öle her, die er auch weiterverkauft. Danach ging es wieder fünf Stunden durch das Gebirge Richtung Heimat, wo wir in der Nacht wieder ankamen. Morgen fliegt Hermann wieder zurück nach München und ich denke langsam auch an Rückreise und Weihnachten / Silvester. Ich freue mich schon. Hasta navidad!

Freitag, 5. Dezember 2008

Frío? O no?

Jetzt ist es schon Dezember und so langsam beginnt auch in Costa Rica die Vorweihnachtszeit. Der glueckliche Nebeneffekt hier ist, dass mir vorerst kalte Wintertage und Studienklausuren erspart bleiben. Leider komme ich nicht ganz um die nervigen Nebenerscheinungen von Weihnachten herum. Dazu gehoeren vor allem die haesslichen Lichterketten und blinkenden Weihnachtsengel von neonpink bis knallbunt. Allerdings gibt es auch ein paar geschmackvollere Vorteile - im wahrsten Sinne des Wortes - den ich konnte diese Woche schon Marzipanstollen aus Deutschland essen. Ausserdem gibt es hier auch die leckeren daenischen Butterkekse in den Aluboxen. Um meine kulinarischen Erinnerungen am Leben zu erhalten, hatte Hermann aus Muenchen am Mittwoch noch leckeren Stinkekaese und Roggenbrot mitgebracht. Was die Ticos hier beim besten Willen nicht hinbekommen. Zusammen sind wir jetzt gleich nochmal produktiver und wenn Wade heute abend mit den zu reparierenden PCs ankommt, duerfte sich das Haus in ein kleines Rechenzentrum verwandeln. Auch wenn der Migue schon gedroht hat, den von ihm ungeliebten Mist wieder rauszuschmeissen. Aber warten wir mal ab. Bleibt gesund und entspannt, ¡adiós amigos!

Montag, 17. November 2008

San Jose

Nachdem ich die letzten Tage ziemlich viel an Foto- dokumentation oder Kartenmaterial gearbeitet habe, hatte ich mich heute fuer die Besichtigung der Landskultur entschieden. Dazu ging es am Morgen von den umliegenden Bergen in die Hauptstadt San Jose, wo ich zuerst das Jademuseum besichtigte. Dort erfaehrt man viele Dinge ueber die traditionelle Lebensweise der ehemaligen Ureinwohner des heutigen Costa Rica und deren alltaegliche Gegenstaende, die aus Ausgrabungsstaetten wieder ans Tageslicht gebracht wurden. Auf den Gegenstaenden aus Stein, Knochen, Jade oder Gold findet man vor allem Tierabbildungen (wie Jaguar, Krokodil, Affe), diverse Ziermuster oder Menschengesichter. Insbesondere die gruenblaeulich glaenzenden Jadeketten oder goldenen Ohrringe dienten dabei den Schamanen oder Haeuptlingen als rituelle Utensilien oder Machtinsignien in den einzelnen Staemmen. Oft wurden diese als Grabbeigaben mit auf den Weg in das Reich der Ahnen mitgegeben. Gluecklicherweise haben diese sie noch nicht abhohlt und somit koennen wir sie wieder bewundern.
Anschliessend traf ich mit Migue um etwas die Stadt zu erkunden, was allerdings durch die Anwesenheit des chinesischen Praesidenten Hu Jintao ziemlich erschwert wurde, da ueberall Strassensperren aufgestellt waren und hunderte Polizisten die Innenstadt abriegelten. Den fussballverrueckten Costaricanern will er ein supertolles Stadion bauen und im Gegenzug will man natuerlich Costa Ricas reiche Rohstoffvorkommen, zB. Gas oder Aluminium, ausbeuten. Ein ziemlich schlechter Handel. Zu sehen gab es den Praesidenten zwar nur im Fernsehen, aber dafuer konnte man die unzaehligen Sicherheitskraefte vor dem Nationaltheater beim gelangweilten Warten beobachten. Zum Mittag gab es dann ein lecker karibisches Gericht mit Kokosreich und Fisch in exotischer Sosse und dazu ein paar Kochbananen - sehr zu empfehlen! Danach ging es mit Migue noch kurz zu seiner Universitaet, wo er Produktdesign studiert, wo ich einige seiner Mitstudenten kennenlernte und mich anschliessend per Bus wieder auf dem Heimweg machte.

Und weil ich gerade wieder eine leckere Mango esse, hier die passende musikalische Untermalung von Bpitch Sascha Funke im supi Remix:

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Coronado

Mittlerweile bin ich den 5. Tag hier in Coronado im Haus von Miguel und Familie, quasi dem Herzen von Arbofilia. Im Gegensatz zu den restlichen Haeusern in der Gegend gibt es keinen spiessigen englischen Garten sondern lauter aufregende tropische Pflanzen auf dem Grundstueck. Fast wie im richtigen Regenwald. In einigen Jahren wird es hoffentlich noch mehr danach aussehen. Zusammen mit den Sotos habe ich jedenfalls schon verschieden Baeume im Garten gepflanzt. Sozusagen ein kleiner Vorgeschmack auf die Station im Korridor am Carara Nationalpark, wo Arbofilia versucht den urspruenglichen Regenwald bestmoeglichst durch Aufforstung wiederherzustellen.

Migue (der Sohn) hat mich am Samstag in der Hauptstadt San Jose bereits abgeholt und mir gleich erklaert, wie die Ticos hier so ticken. Er ist nicht gerade ein Liebhaber von Staedten und deren Einwohnern, insbesondere nicht von den Ticas. Eher von Kettensaegen und Macheten. Sein Geld verdient er meist damit, alte umgefallene Baeume im Wald zu finden und deren wertvolles Holz stundenlang wieder hinaus zu schleppen. Nicht gerade ein klimatisierter Buerojob. Fuer sein Produktdesignstudium hat er gestern fuenfzehn Proben von verschiedene Holzsorten mit mir zurechtgesaegt und einige Hoelzer sind nicht nur wunderschoen goldgelb bis purpur, wenn sie poliert sind, sondern duften auch verdammt aromatisch. Das im Haus verarbeitete Holz hat er ebenfalls besorgt und es wird auch noch fleissig daran gebaut.

Langsam hab ich mich auch an das fruehe Aufstehen ab 6 gewoehnt. Zum Fruehstueck gibt es dann die Grundnahrung der Ticos "gallo pinto", was eine Mischung aus Reis und Bohnen sowie meist Ei ist. Diese drei Zutaten verfolgen einen dann auch bei den anderen Mahlzeiten. Es sind naemlich die Grundnahrungsmittel, wie bei uns Brot oder Kartoffeln. Das heisst nicht, dass es nicht auch andere leckere Sachen gibt. Suesse Kochbananen oder exotische Fruechte gibt es ebenso, wie gebackenen Fisch oder Huehnchen. Zum Trinken gibt es das Nationalgetraenk Kaffee frisch aufgebrueht, allerdings deutlich besser schmeckend als in Deutschland.
Die Tage ueber war ich mit Miguel mit Reparaturen an einem alten Toyota Landcruiser (im Bild) beschaeftigt. Dieselfilter neu einbauen, Abdeckplane vermessen, Innenverkleidung anbringen, Batteriewechsel etc. Damit das gute Stueck dann lange im feuchten Regenwald ueberlebt wird auch noch alles schoen mit Silikon versiegelt. Man saut sich jedenfalls ganz schoen ein bei der Arbeit. Ausserdem bin ich ganz schoen am rotieren, um die Kommunikation mit ProRegenwald zu verbessern. Das ist leider oft etwas anstrengend, da nicht alles sofort funktioniert oder nicht dort ist wo es sein sollte etc. Auf jeden Fall geht es morgen dann erstmal in den Dschungel oder besser gesagt auf die Station am Carara Nationalpark. Der Koordinator des Sektors Wade wird mich dann am Krokodilfluss bei Tarcoles einsammeln und anschliessend kommt wahrscheinlich ein leicht holpriger Offroadweg auf Schlammpisten. Geplant ist vor Ort dann Dokumentationsarbeit und Fotografieren der Biodiversitaet. Da dort wahrscheinlich kein (schneller) Internetzugang sein wird, werde ich mich wohl erst spaeter mit Berichten und Fotos melden.

¡hasta luego!