Montag, 5. April 2010

Semana Santa

Liebe Leserschaft,

grade ist in Costa Rica das Osterfest verstrichen. Die katholische Mehrheit hat dies ausgiebig zu Strandbesuchen und Prozessionen genutzt. Man sah in San José also den ein oder anderen Römer herumspazieren sowie schwarze gekleidete Frauen, die Maria durch die Straßen trugen. Statt Kirchenbesuch hatte ich mir dieses Wochenende allerdings etwas Zeit für Kultur genommen. Zusammen mit dem lustigen Fernando und der positiv verrückten Margot ging es zuerst zu verschiedenen Ausstellungen von Studenten in der Nationalgalerie. Anschließend gab es zu spanischer Straßenfolklore ein Eis gegen die schwüle Hitze.
Abends gab es dann vorm Kamin Nazijagd in Tarantino's "Bastardos Sin Gloria", wobei sich Christoph Waltz als SS-Häscher wahrlich seinen Oscar verdient hat. Allerdings sollten zarte Gemüter die Skalpierungen lieber nicht anschauen.

Ansonsten spiele ich hier den organisationspsychologischen Problemdetektiv. Will heißen: viele Gespräche zu Tathergängen, Aussagen aufnehmen, Spuren sichern, Alibis und Zahlen prüfen. Alles um den "Fall" neu und besser zu rekunstruieren. Sehr spannend und problematisch, aber mit der Zeit lösbar.
Allerdings fühlt man sich mit einer Hausangestellten, die kocht, wäscht, putzt ziemlich unselbstständig im Vergleich zum WG-Leben. Deshalb helfe ich gern beim Abwasch oder z.B. dem Sohn vom Chef Migue bei Design seines Stuhls aus Edelholzresten für die Universität. Für die schwierige Innensandung hatte ich eine Doppelbohrmaschine mit Sandpapierzylinder vorgeschlagen und es hat wunderbar funktioniert.
Die Woche gibt es noch koordinative Treffen mit externen Personen und ich werde am Donnerstag für 2-3 Tage Richtung San Isidro im Süden reisen. Das bedeutet hoffentlich Zeit für Literatur und Strand.

Dienstag, 30. März 2010

Pura Vida

Liebe Familie, Freundinnen und Freunde,

ich wollte mich endlich einmal aus der "Reichen Küste" bei euch melden. Montag Nacht bin ich nach über 24h Rumgereise endlich sanft in San José eingeschlummert. Das Filmprogramm im Flieger von Delta Airlines war ziemlich mies (dieser neue Klischeeamifilm mit Sandra Bullock), dafür war das amerikanische Bordpersonal sehr nett, gesprächig und hilfsbereit.
Nur meine beiden Sitznachbarn waren apathische Gargoyles. Wobei der linke Aminachbar sich viel Rotwein orderte. Immerhin gab es im Flieger von Atlanta (eeewige Abfertigung) eine hübsche Sitznachbarin und mein Gepäck ist auch komplett angekommen.

Nun befinde ich mich seit einigen Tagen wieder im schönen Haus der Regenwaldaufforster von Arbofilia, wo es neben Reis und Bohnen auch reichlich Arbeit gibt. Insofern hatte ich erst dieses Wochenende etwas Zeit andere Dinge zu unternehmen. Zusammen mit einigen Leuten waren wir am Samstag unterwegs im Stadtpark beim internationalen Kultur- und Kunstfestival, wo nebem interessanten Indiohandwerk auch miese Rockmusik von der Seebühne erklang. Marke Schülerband. Immerhin war das Publikum recht bunt bis hippiehaft bei sonnigen 28°C.
Anschließend gab es am Zentralplatz in der Stadt noch eine tolle Straßentheaterperformance von der münsteraner Gruppe "Titanick" zu sehen, die im französischen 1900look eine Art Fliegerwettbewerb mit ihren kreativen Flugmobilen veranstalteten. Vom Ami mit Hoovercraft bis zu den Vogelfliegerfranzosen war einiges vertreten und das Publikum anschließend mit Konfetti vom Feuerwerk übersäht. Schließlich fuhren alle Geräte inklusive Bandwagen die Hauptstraße hinunter und wir machten uns mit dem Bus auf den Nachhauseweg.



Sonntag war schließlich Markttag und es ging kreuz und quer durch die bepackte Menge. Neben leckeren Avocados, Mangos und Melonen gab es noch frisch gepressten Orangensaft und ein paar Palmen für den tropischen Garten des Hauses zu kaufen. Ansonsten bin ich sehr gespannt wie hier nächstes Woche "la semana santa" (Ostern geht hier eine ganze Woche!) gefeiert wird nach der ich anschließend wohl Richtung Süden auf die Finca von Wade fahren werde. Ich hoffe, dann ist auch ein Strandtag drin, wo ein paar Kokosnüsse geknackt werden.

Montag, 5. Januar 2009

Salida

Ich entschuldige mich für den leicht verspäteten Abschluss meiner Costa Rica Saga, aber nun ist auch die letzte Woche in diesem Paradies aus meiner Sicht nachlesbar. Nach meiner Ankunft in Frankfurt am 26.12. hatte ich erstmal das Bedürfnis Weihnachten und Silvester sowie meinen Wiedereinzug zu zelebrieren anstatt zu bloggen. Viel Spaß beim Lesen und danke für eure Geduld mit meinen hektisch entstandenen Rechtschreibfehlern!
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Mit schwerem Herzen hab ich mich von Yami und Wade am Bus in San Isidro verabschiedet und bin wieder durch das Gebirge Richtung San Jose gefahren, wo ich das Weihnachtsfest auf costaricanisch erleben sollte. Als ich ankam, wurde mir von Miguel allerdings mitgeteilt, dass seine Frau im Krankenhaus ist und Weihnachten wahrscheinlich flach fällt. Nun ja, nichtsdestotrotz habe ich mich nochmal in den Moloch von San Jose begeben, um ein paar schon lang vorgenommene Fotos von den Graffitis und Streetart zu schießen, sowie ein paar kleine Geschenke für meine Familie nach der Ankunft auszusuchen. Letzteres war im überfüllten Panikschlusseinkauf in der Innenstadt der reinste Horror. Zum Ausgleich gab es dennoch ein bisschen schöne Straßenkunst, wenn man etwas neugierig und aufmerksam durch die Straßen schlich. Jedenfalls habe ich mich sehr schnell wieder aus der City verdrückt nachdem ich noch fix bei der Bank das nötige Geld für meine Unkosten abgehoben hatte, denn ich musste noch alles zu Hause in Coronado zusammenpacken und Daten sowie Fotos sichern etc. pp...

Als ich wieder am Haus ankam, war zu meiner großen Überraschung auch Annabelle mehr oder weniger fit wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Aber so richtig klar wurde erstmal nicht, ob Weihnachten nun gefeiert wird oder nicht. Sie wollten vorher noch zu ihrer ebenso angeschlagenen Mutter schauen. So blieb ich dann etwas geknickt allein im Haus zurück und packte erstmal, bis ich gegen 21 Uhr endlich den erlösenden Anruf von Miguel bekam. Ja, die Familie feiere jetzt doch bei einem schönen Essen in Annabelles Mutters Haus und ich würde bald abgeholt. Juhu! Als ich etwas später dort ankam, waren auch bereits alle Brüder, Freunde Tanten und Onkels eingetroffen und es gab neben einem ganzen Truthahn allerhand Salate und andere leckere Sachen. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, sonst könnte ich euch die nette Runde und die schönen Bilder im Haus zeigen. Denn Annabelles Bruder ist einer der berühmtesten Künstler in Costa Rica und er kommt im Sommer nach Frankfurt mit einer Ausstellung. Ich bin gespannt!

Nach drei Stunden Schlaf sprang ich dann fix aus dem Bett. Schnell geduscht und rasiert, damit ich im Flugzeug nicht schimmele und von der Familie herzlich verabschiedet und los ging es zum Flughafen mit Miguel. Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertag waren die Straßen in San Jose wie ausgestorben, was im starken Kontrast zum sonstigen Verkehr stand. Auf der Fahrt unterhielt ich mich mit Miguel über das wohl schwierige kommende Jahre 2009 und wie sie mit der Krise auch persönlich umgehen wollten. Es lag eine ungewisse Traurigkeit in der Luft, einerseits durch meinen Abschied, andererseits durch die immer noch immensen Aufgaben beim Umweltschutz. Als ich ihn dann zum Abschied umarmte, wusste ich, dass ich zurückkehren würde, wenn die Umstände es ermöglichen. Auf Wiedersehen Costa Rica!

Playa

Da sich mein Aufenthalt hier in Costa Rica leider dem Ende nähert, bin ich schon wieder langsam auf dem Rückweg vom Süden Richtung San Jose, wo am 25.12. am Morgen mein Flieger Richtung kahler Kühlschrank Deutschland startet. Deshalb habe ich heute wieder in den Bus gequetscht und bin wieder zu Wades' Farm zurückgefahren, denn dort wartet noch ein kleines Versprechen auf mich, was ich nur allzu gern einlösen wollte. Strandtag - yeah! Ich gehöre ja zur Sorte der Schattenparker und verbringe eher ungern einen ganzen Tag faul am Strand, aber mit der ganzen frechen Familie und ein paar Freunden aus dem Dorf sollte der Tag alles andere als langweilig werden. Also alle in den Vierrad-Toyota gequetscht und über die Berge Richtung Pazifik gedüst. Auf dem Weg dorthin hatten wir ein super Sicht auf die Gebirgskette, die bis knapp an die 4000m heranreicht. Bei einem kleinen Zwischenstopp, kam auch ein knuffiger Waschbär aus dem Gebüsch heran, dem unsere Bananen anscheinend sehr gut geschmeckt haben. Als wir schließlich am Strand ankamen waren wir glücklicherweise die einzigsten Besucher, da Wade natürlich einen der weniger touristischen Orte kannte. Also raus aus den Klamotten und rein ins salzige Wasser! Zusammen mit dem Schweizer Freiwilligen David bin ich dann in die Wellen eingetaucht und anschließend haben wir uns noch nach dem Frisbee gehechtet. Wade war derweil fleißig am Kokosnüsse sammeln und etwas Ahnung und geschickten Krafteinsatz konnte man das kostbare Fruchtfleisch letztendlich zu Tage bringen - soooo lecker! Dazu gab es noch Melone und zum Mittag mitgebrachtes Hühnchen. Schon praktisch, wenn man mit zwei großen Autos zum Strand fährt. Zu entdecken gab es auch unzählige Krabben an den sporadischen Felsen, die mit ihren Scheren nach ihrer Nahrung schnappten. Ein sehr schönes (leider totes) Exemplar ist hier im Foto zu sehen. Damit wir nicht träge und schlapp werden, gab es dann auch noch ein abgewandeltes Volleyballspiel Männer gegen Frauen, wobei es aber eher um den Spaß, als um stereotype Kraftmeierei ging. Mit Sonnenschutzfaktor 60 auf der Haut, war nach einer Stunde witziger Ballwechsel immer noch nix verbrannt bei mir und wir wechselten in den Fussballmodus, was aufgrund der riesigen Pfütze im Spielfeld ein feuchter Spaß war. Dann wurde es auch langsam Zeit für das Finale eines jeden Strandbesuchs - dem Sonnenuntergang. Neben dem dunkelroten Feuerball mischten sich auch einige Abschiedsgefühle in den glühenden Himmel, denn Weihnachten stand vor der Tür und somit auch mein baldiger Abschied aus diesem kleinen Paradies und den freundlichen Menschen.

Corcovado & Bolita - Segundo Dia

Die Nacht wurde ziemlich früh unterbrochen und zwar durch ein paar Gruppen lautstarker Brüllaffen, die sich die Morgennachrichten durchgaben. Aber mit dem leuchtenden Aufgehen der Sonne verwandelte sich der eben noch ruhige Wald in ein zwittscherndes pulsierendes Lebewesen, welches sich die Tageskleider anzieht. Denn richtig schlafen tut der Regenwald Nachts beileibe nicht. Angefangen von den Kolibris bis über Libellen oder Aras - sie alle beginnen mit ihrer Futtersuche und fliegen im erhellenden Morgengrauen umher. Nach dem wir auch unser Futter in Form von Rüherei und Kaffee zu uns genommen hatten, machten wir uns auf unsere große Tour durch den Wald. Zuerst wollten wir zwei Wasserfälle besuchen und auf dem Weg dorthin konnten wir auch einige wunderschöne Tukane (im Bild ein Feuerschnabelarassari) oder Spechte sehen. Wo die Sonne nicht durch das dichte Blätterdach fiel, konnte man entspannt beschattet sich seinen Weg bahnen, aber wehe, die Sonne brach durch. Ich schwitze dann immer ziemlich schnell, aber immerhin besser als zu erfrieren, wie im kalten Deutschland. Da wir das Grundstück noch nicht ganz verlassen hatten, konnten wir nach einer guten Stunde auch eine kleine Rast an einem Aussichtspunkt machen und auf einer Bank etwas unseren Wasserhaushalt ausgleichen. Dann ging es wieder bergab, vorbei an riesigen Bäumen, die schon mehrere Menschengenerationen überlebt haben dürften. Leider nimmt deren Zahl aufgrund des Raubbaus weltweit immer weiter ab. Wir konnten uns jedoch glücklich schätzen noch die unberührte Natur zu erleben. Und wie geplant erreichten wir unsere zwei Wasserfälle kurze Zeit später. Ihr wisst ja was das heißt - Badespaß! Nach der kurzen Erfrischung folgte dann entlang des Rio Tigre eine wunderschöne Wanderung am und im Fluß, denn oft waren die Steilwände nicht einfach zu erklimmen, so dass uns nix anderes übrig blieb, als durch den Fluß zu spazieren. Mit Gummistiefeln und Rucksack auf dem Kopf war dies aber kein Problem. Als es dann auch noch von oben anfing zu regnen, waren wir entgültig nass. Aber bei 25 Grad lässt sich das problemlos aushalten ;) Entlang das Flusses trafen wir dann immer wieder Goldsucher, die sich durch das Sediment des Flusses schürften. Laut deren Informationen findet man immer noch genug Gold, um recht gut davon zu leben. Allerdings ist die Große Goldgräberstimmung in Dos Brazos längst vorbei, so dass wir nur alte Herren getroffen haben - sogar zwei aus Österreich! Einer ist mit uns und seinem Hund dann auch das letzte Stück abwärts marschiert und dabei hatten wir auch eine Begegnung mit einer Wasserschlange. Gut 2m lang in schwarz mit feinen weißen Streifen, aber glücklicherweise ungiftig. Wir stiegen ziemlich nass aus dem Fluss und gingen wieder vor Sonnenuntergang zurück zu unserer Hütte, um endlich zu duschen und etwas zu essen. Nach Sonnenuntergang hieß es dann wieder entspannt in der Hängematte baumeln und Micha hat mich dann auch noch in die Welt des Pokerns eingeführt - wo ich ihn erstmal mit ein paar guten Blättern den Schneid abgekauft habe. Es gibt nix besseres als ein unberechenbarer Anfänger bei solchen Spielen zu sein ;) Letztendlich habe ich dann doch ein paar Colones verloren, weil ich am Ende den Einsatz und das Risiko steigerte und prompt nur noch schlechte Karten erhielt. Süchtig werde ich aber 100% nicht davon. Christian (der mit dem Indiana Jones-Hut) hat dann mit seiner guten Kamera auch noch etwas mit Licht und Belichtungszeit experimentiert. Und als die Kerze zuende gebrannt war, hieß es dann auch für mich "Gute Nacht"!